„Was wird in Zukunft aus der Landwirtschaft in Schäferei?“
Diese Frage – am Stammtisch gestellt – führte zur Zusammenkunft aller Bauern in Schäferei, um über die Zukunft zu reden. Dabei wurde deutlich, dass bei fast allen Bauernhöfen einschneidende Veränderungen bevorstehen.
Die Gründe waren vielfältig, z.B. die fehlende Partnerin, keine Kinder oder fehlendes Interesse an der Landwirtschaft mit Tierhaltung, Nebenerwerbsbetriebe dachten aufgrund der hohen Arbeitsbelastung an die Betriebsaufgabe.
Der Gedanke „Aufgabe der Landwirtschaft“ schmeckte keinem. Gleichzeitig stiegen die Energiepreise und die Abhängigkeit von den Energie-Multis ärgerte uns.
„Energie müsste man produzieren können, denn die wird immer teuerer!“ kam uns in den Sinn.
Aber: „Können wir uns eine so grundlegende Veränderung überhaupt vorstellen?“
„Ist eine gemeinsame Biogasanlage realisierbar?“
Hochmotiviert begannen wir uns zu informieren und zu rechnen. Es folgten unzählige Besichtigungsfahrten, Beratungsgespräche, Diskussionen. Und im Laufe dieser „Zukunftssuche“ kristallisierten sich zwei Grundfragen heraus:
„Schaffen wir eine Gemeinschaftsanlage, also drei Bauern unter einen Hut zu bringen?“ und „Können wir die Wärme sinnvoll nutzen?“
Die Wirtschaftlichkeitsberechnung für eine Gemeinschaftsanlage, erstellt von Sepp Haller und Herrn Gröbner (Landwirtschaftsamt Cham) hatte ergeben, dass die Wärmenutzung nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich notwendig ist. Grenzkostenberechnungen mit variablen Biomassepreisen, Produktionskosten und Wärmepreisen hatten gezeigt, dass die Investitionskosten und die Biomassepreise die Hauptstellschrauben der Wirtschaftlichkeit sein werden.
Die Kostenvorteile einer Gemeinschaftsanlage errechneten wir ebenfalls. Und spätestens bei dieser Frage begannen sich dann die Geister zu scheiden. Nicht jeder ist eben ein Gemeinschaftsmensch.
Am Schluss blieben von den zehn Landwirten drei und ein vierter kam dazu.
Heute wissen wir, die vier Gründer der BioEnergie, wie wichtig dieser Prozess war.
Denn eine Gemeinschaft funktioniert nur, wenn alle das gleiche Ziel haben und kennen.
In unserem Fall: Produktionskosten senken, Arbeit erleichtern, Freizeit ermöglichen, ...
Nur wer zusammenpasst, kann auch zusammenarbeiten!
Die zweite Hürde war der eigentliche Weg zum Bioenergiedorf. Wer 40 Jahre lang mit Öl geheizt hat, sagt nicht spontan: „Hurra, die Nahwärme kommt!“ Es stellte sich bald heraus, dass die Befürworter eines Nahwärmenetzes in Schäferei eher rar waren. Die erste und oft einzige Frage war: „Was kostet die Wärme?“
Am Schluss blieben genug Mutige, um an die Planung einer Nahwärmeleitung zu gehen.
Viele aufgeschlossene Familien im 800 m entfernten Kümmersmühle konnten nicht mehr angeschlossen werden, weil wir leider, trotz intensiver Bemühungen, die dafür notwendige Finanzierung nicht erreichen konnten. Schade, weil eben zu dieser Zeit der Abwasserkanal verlegt wurde und die Straße bereits aufgegraben war.
Gewonnen haben die heutigen Anschließer allemal. Denn sie heizen heute umweltfreundlich und billiger. Das Gemeinschaftswerk Nahwärmenetz Schäferei wurde aber erst von unserem aufgeschlossenen Waldmünchener Bürgermeister, Franz Löffler, und seinem Stadtrat ermöglicht. Ein entscheidender Punkt war dabei z.B. die kostengünstige Mitverlegung der Nahwärmeleitung beim Bau des öffentlichen Abwasserkanals.
Selbst unser kleines Bioenergiedorf Schäferei hat große Auswirkungen. Die CO2-Einsparung pro Jahr durch die Biogasanlagen liegt im Schnitt bei ca. 3.500 to. Damit ersetzen wir umgerechnet ca. 400.000 kg (!!!) Heizöl pro Jahr. Und hinzu kommen vier sichere Arbeitsplätze.
Unterstützend wirkte sich auch die Einbindung des Bioenergiedorfes Schäferei in „Landschaft voller Energie“ durch die hervorragende Unterstützung von Dr. Klaus Zeitler, Projektmanager des Aktionsbündnisses Cercov aus.
Entwicklungs- und Planungsphase
| 16.10.2004 |
Erste Zusammenkunft der Schäfereier Landwirte |
| Bis Ende 2004 |
Besichtigungen und Lehrgänge |
| Januar/Februar 2005 |
Wirtschaftlichkeitsberechnung, Vorplanung |
| März 2005 |
Planung Nahwärmenetz |
| April 2005 |
Bauplan |
| 10.05.2005 |
Gründung der BioEnergie GmbH & Co. KG |
| 12.05.2005 |
Abschluss der Finanzierung |
Die Bauphase
| 23.5.2005 |
Baubeginn Biogasanlage mit Silo |
| 7.11.2005 |
Verlegen der ersten Nahwärmeleitung von der Biogasanlage zum Kanalgraben |
| 10.11.2005 |
Erster Hausanschluss Feuerwehrhaus |
| 26.11.2005 |
Anfahrphase Biogasanlage – erster Strom wird ins Netz eingespeist |
| 20.1.2006 |
Die erste Heizleitung wird freigeschaltet, Wärme fließt |
| 25.03.2006 |
Weiterbau Abwasserkanal und Mitverlegung der Nahwärmeleitungen |
| 4.7.2006 |
Das Nahwärmenetz ist fertig und geht in Betrieb |
| 20.08.2006 |
Einweihung und Tag der offenen Tür im Bioenergiedorf Schäferei |
| 25.05.2007 |
Erweiterung des Teams um zwei weitere Landwirte |
Wir sagen DANKE,
an alle Frauen und Männer aus Schäferei, die mitgeholfen haben, die Idee in die Tat umzusetzen, an die Firmen Haustechnik Vetter, Elektro Steudle/Haller, Biogas Hochreiter und Bau Haimerl, an unseren Bürgermeister Franz Löffler und seinen Stadtrat, an MdL Markus Sackmann und MdB Klaus Hofbauer, an die Genehmigungsbehörde Landratsamt Cham und
an E.ON Bayern.
Dieses Modell ist auf viele Dörfer anwendbar, weil
- die meisten Biogasanlagen in Dörfern stehen.
- die Biogastechnologie so weit entwickelt ist, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.
- die Wärmeleitungen ausgereift und bewährt sind, der Wärmeverlust minimal.
- die Wärme aus einer Biogasanlage preiswert zur Verfügung steht.
- die Leistung einer Dorfgemeinschaft die Menschen zusammenhält.
- Dörfer immer dezentral waren und früher auch energieunabhängig.
Die Wirtschaftlichkeit und die Realisierbarkeit hängen von vielen Faktoren ab und sind natürlich im Einzelfall abzuwägen. |
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